
Baby-led Weaning: Sanftes Abstillen
Der Übergang von der Muttermilch zur festen Nahrung ist ein bedeutender Meilenstein. Die meisten Babys sind mit etwa sechs Monaten bereit für Beikost. Baby-led Weaning bietet dir eine alternative Methode zum traditionellen Brei und begleitet euch beim sanften Abstillen.
Inhalt:
- Was ist Baby-led Weaning (BLW)?
- Fingerfood für Babys: Welche Lebensmittel für BLW geeignet sind
- Was Babys nicht essen dürfen
- Ab wann mit Baby-led Weaning beginnen?
- BLW-Plan: Wie mit Baby-led Weaning beginnen
- Weitere Tipps und Hinweise für die Einführung von BLW
- Abstillen: Wir beantworten deine Fragen
- Häufige Fragen zu Baby-led Weaning
Was ist Baby-led Weaning (BLW)?
Baby-led Weaning (BLW) ist ein Ernährungskonzept, bei dem Babys eigenständig feste Nahrung, meist in Fingerfood-Form, zu sich nehmen, ohne zuvor Baby-Brei erhalten zu haben. Also kann man Baby-led Weaning als breifreie Beikost betrachten. Meistens sind Babys im Alter von etwa sechs Monaten bereit, mit der Beikost zu beginnen. Die Einführung fester Nahrung sollte aber allerfrühestens mit 5 Monaten stattfinden. Bei BLW entscheidet dein Baby selbst, was und wie viel es essen möchte1, wodurch es nicht nur in seinem eigenen Tempo neue Geschmacksrichtungen und Konsistenzen entdecken kann, sondern auch seinen Geschmackssinn entwickeln.
Baby-Brei oder Baby-led Weaning (BLW)?
Baby-led Weaning (BLW) und Beikost mit Breigabe sind zwei mögliche Wege der Ernährung dein Baby an feste Nahrung zu gewöhnen. Während du bei der traditionellen Beikost anhand eines Beikostplans deinem Kind mit dem Löffel pürierte Speisen, also Baby-Brei, fütterst und dann schrittweise auf feste Lebensmittel umsteigst, beginnst du BLW direkt mit fester, aber weicher Nahrung und ernährst dein Baby also breifrei.
Beide Methoden verfolgen dasselbe Ziel, und zwar dein Baby von Muttermilch oder Flaschenmilch auf feste Nahrung umzustellen.
Was sind die Vorteile von BLW
Mit Baby-led Weaning kannst du dein Baby von Beginn an in eure Familienmahlzeiten einbinden. Dein Kind entscheidet dabei selbst, was, wie viel und in welchem Tempo es essen möchte. Wissenschaftliche Beobachtungen2 legen nahe, dass Kinder durch diese breifreie ein besseres Gespür für ihr Sättigungsgefühl entwickeln können. Erfreulicherweise zeigen erste Studien auch, dass BLW-Kinder häufig mit mehr Begeisterung essen und weniger wählerisch beim Essen sind. Viele Mütter berichten auch von einer entspannteren Beikosteinführung.
Allerdings möchten wir transparent sein: Die wissenschaftliche Beweislage für diese positiven Effekte ist noch nicht ausreichend gesichert. Die meisten Erkenntnisse stammen aus Beobachtungsstudien und Elternberichten, große kontrollierte Studien stehen also noch aus.
Ist Baby-led Weaning gefährlich?
Viele Eltern fragen sich, ob Baby-led Weaning sicher ist, besonders wenn es um das Thema Verschlucken geht, da die Kinder ja selbstständig größere Nahrungsstücke essen. Hier können wir dich beruhigen: Aktuelle Beobachtungsstudien zeigen, dass BLW nicht gefährlicher ist als die klassische Beikosteinführung mit dem Löffel.3 Besonders interessant ist eine wissenschaftliche Untersuchung zur sogenannten BLISS-Methode, einer angepassten Version von BLW. Hier erhielten Eltern eine spezielle Einweisung zum sicheren Umgang mit Lebensmitteln, und es zeigte sich kein erhöhtes Erstickungsrisiko.
Fingerfood für Babys: Welche Lebensmittel für Baby-led Weaning geeignet sind

Besonders geeignet für Baby Fingerfood sind weiche, leicht zu greifende Lebensmittel in kleinen Stücken, die dein Baby selbstständig greifen und essen kann. Zu diesem Baby geeignetem Fingerfood eignen sich u.a. folgende Nahrungs- bzw. Lebensmittel besonders gut als Baby-led Weaning Starter4:
- Gedünstete Gemüsesticks, wie z.B. Brokkoli, Kürbis, Karotte, Zucchini
- Weiches Gemüse, wie z.B. Gurken (ohne Schale), Avocado
- Weiches Obst, wie z.B. Bananen oder mehlige Apfelsorten (ohne Schale)
- Hartgekochte Eier
- Fisch (ohne Gräten) und Fleisch (müssen komplett gar sein)
- Weich gekochte Nudeln
- Weich gekochter Reis
- Brot oder weiche Brotrinde
- Pfannkuchen, Waffeln oder Muffins (selbstgemacht, ohne Zuckerzugabe)
Der Auswahl an Baby Fingerfood sind an sich keine Grenzen gesetzt, solange du auf altersgerechte Nahrung achtest. Worauf du genau achten solltest, erklären wir im nächsten Abschnitt. Bei der Auswahl ist es auch entscheidend, dass die Lebensmittel weich und in kindgerechte Stücke geschnitten sind. Da erste Zähnchen frühstens ab dem vierten oder fünften Monat erscheinen, sollte das Fingerfood auch für ein Baby ohne Zähne gut zu kauen und nicht (zu) hart sein. Wichtig ist auch, dass du dein Baby beim Essen beaufsichtigst, da es vor allem zu Beginn beim Baby-led Weaning häufig u.a. zum Ausspucken von Essen oder Würgen kommen kann.5
Was Babys nicht essen dürfen

Beim Baby-led Weaning ist es wichtig, besonders achtsam bei der Lebensmittelauswahl zu sein. Es gibt einige Produkte, die du deinem Baby besser nicht anbieten solltest. Dazugehören unter anderem (6,7):
- Rohes Fleisch oder roher Fisch
- Rohmilchprodukte
- Salzreiche Lebensmittel, wie z.B. Fertiggerichte, Chips, Schinken
- Zuckerhaltige Lebensmittel, wie z.B. Kekse
- Nüsse
- Honig
- Scharf gewürztes oder stark gewürztes
Besondere Vorsicht gilt bei ganzen Nüssen, da sie ein potenzielles Erstickungsrisiko darstellen. Konzentriere dich stattdessen auf frische, weiche und vor allem abwechslungsreiche Lebensmittel. Lass deinem Baby Zeit zum Entdecken und spreche mit deinem Kinderarzt/deiner Kinderärztin, wenn du dir unsicher bist.
Ab wann mit Baby-led Weaning beginnen?

Baby-led Weaning kannst du in der Regel beginnen, wenn dein Baby etwa 6 Monate alt ist. Manche Babys sind zwar früher bereit für die Ernährungsumstellung, jedoch solltest du nicht zu früh damit starten. Die Verdauung deines Babys befindet sich noch in der Entwicklungsphase und muss langsam an festere Nahrung gewöhnt werden.
Neben dem Alter gibt es weitere wichtige Voraussetzungen: Dein Baby sollte selbstständig aufrecht sitzen können und seinen Kopf sicher halten. Zusätzlich sollte der Zungenstoßreflex nicht mehr aktiv sein. Achte auch auf Verhaltenszeichen, die auf Bereitschaft für feste Nahrung hindeuten, wie z.B. wenn dein Baby selbstständig nach Gegenständen greift und versucht daran zu kauen oder großes Interesse an der Familienkost zeigt.
Diese Anzeichen können ein guter Hinweis darauf sein, dass dein Baby bereit ist mit fester Nahrung zu beginnen.
BLW-Plan: Wie mit Baby-led Weaning beginnen
Wenn dein Baby alt genug ist, sein/ihr Köpfchen sicher selbst halten und aufrecht sitzen kann, wie auch keinen Zungenstoßreflex mehr hat, dann ist dein Baby bereit für Baby-led Weaning. Ein schrittweises BLW-Plan8 ist dabei das einfachste Variante:
Baby Alter | BLW Mahlzeiten am Tag | Hinweis |
6 – 7 Monate | 1 – 2 | Die Menge an Muttermilch/Flaschennahrung behältst du zunächst bei, sie bleibt die wichtigste Nahrungsquelle. |
8 – 9 Monate | 2 | Wenn dein Baby es nicht bereits tut, kannst du jetzt auf 2 Mahlzeiten hochgehen. |
10 – 12 Monate | 3 | Reduziere parallel die Milchmahlzeiten |
Beachte, dass dies nur ein beispielhafter BLW-Plan ist, der im Einzelfall sehr individuell ausfallen kann. Beachte auch zusätzlich, deinem Baby nicht zu schnell neue Lebensmittel anzubieten und führe nur alle paar Tage ein neues Lebensmittel ein, um mögliche Allergien und Unverträglichkeiten besser identifizieren zu können.
Wenn du mit Baby-led Weaning beginnen möchtest, aber unsicher bist wie du es am besten umsetzten kannst, sprich mit deinem Kinderarzt/deiner Kinderärztin oder Hebamme darüber.
Weitere Tipps und Hinweise für die Einführung von BLW

Die richtige Vorbereitung ist beim BLW besonders wichtig. Neben der Auswahl altersgerechter Lebensmittel, die dein Baby gut greifen kann, und einer weichen, sicheren Konsistenz, gibt es einige hilfreiche Tipps für den Einstieg:
- Integration in Familienmahlzeiten: Integriere das Ernährungsabenteuer deines Babys in die Familienessenszeiten, um es zu motivieren und nachzuahmen.
- Geduld und Vorbereitung: Sei geduldig und lass deinem Baby Zeit, neue Lebensmittel zu entdecken. Bereite dich auf ein gewisses Chaos am und unter dem Tisch vor – eine rutschfeste, abwaschbare Tischdecke kann hilfreich sein.
- Beratung: Bei Unsicherheiten, sprich mit deinem Kinderarzt/deiner Kinderärztin oder deiner Hebamme.
Abstillen: Was du wissen solltest

Die Stillphase ist eine sehr innige Zeit, doch irgendwann endet jede Stillbeziehung – sei es durch klassisches Abstillen mit traditioneller Beikost oder durch Baby-led Weaning. Das Abstillen kann eine Reihe an unterschiedlichen Gefühlen auslösen und sollte im eigenen Tempo und nach den individuellen Bedürfnissen erfolgen. Hier beantworten häufig gestellte Fragen und diskutierte Themen zum Abstillen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt mein Baby abzustillen?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Babys die ersten sechs Monate voll zu stillen.9 Danach liegt die Entscheidung bei den Eltern, wie lange sie ihr Baby weiterstillen möchten. Es gibt kein richtig oder falsch – wichtig ist, dass du und Kind euch wohlfühlt.
Wie stille ich ab?
Abstillen kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen, je nach den Bedürfnissen deines Babys und dir. Du entscheidest, ob du schnell oder langsam abstillen möchtest. Häufig ist es ratsam, langsam vorzugehen, um sowohl dir als auch deinem Baby die Anpassung zu erleichtern. Das natürliche Abstillen richtet sich dabei genau nach den Bedürfnissen des Kindes, das allmählich weniger Interesse an der Brust zeigt. Diese Methode ist oft die entspannteste und reduziert das Risiko von Brustentzündungen.
Praktische Vorgehensweise des natürlichen Abstillens wäre:
- Ersetzen der Stillmahlzeiten: Beginne damit, eine Stillmahlzeit durch Beikost zu ersetzen. Unsere Hebamme empfiehlt, zunächst die warme Mahlzeit des Tages (Mittag- oder Abendessen) auszutauschen, wenn das Baby nicht zu müde oder zu hungrig ist.
- Nächtliches Abstillen: Gehe behutsam vor. Beruhige dein Kind durch Nähe und liebevolle Worte, anstatt es sofort zu stillen.
Schmerzen und Milchstau durch Abstillen
Im Prozess des Abstillens kann es passieren, dass Schmerzen durch Milchstau auftreten. Eine Möglichkeit dagegen vorzugehen, kann das sanfte Ausstreichen der Brust sein. Kühlen der Brust kann ebenfalls helfen, da es die Milchproduktion reduziert und entzündungshemmend wirkt. Sollte der Schmerz anhalten, sollte eine Hebamme oder dein Frauenarzt/deine Frauenärztin konsultiert werden.
Häufige Fragen zu Baby-led Weaning
Ab wann Baby-led Weaning?
Baby-led Weaning kannst du beginnen, wenn dein Baby etwa 6 Monate alt ist und folgende Fähigkeiten zeigt: Es kann selbständig sitzen, hat den Zungenstreckreflex verloren und zeigt Interesse an Nahrung. Diese Entwicklungsschritte sind wichtig für einen sicheren Start mit BLW.
Welche Lebensmittel bei Baby-led Weaning?
Beginne mit weich gekochtem Gemüse wie Karotten, Brokkoli oder Süßkartoffeln in Baby geeigneter Fingerfood-Größe. Auch weiches Obst, komplett gar gekochte Fleischstücke und weiches Brot eignen sich gut. Wichtig ist, dass die Nahrung zerdrückt werden kann und keine Erstickungsgefahr besteht.
Kann mein Baby sich bei BLW verschlucken?
Wissenschaftliche Studien zeigen kein erhöhtes Verschluckungsrisiko bei BLW im Vergleich zum klassischen Abstillen. Wichtig ist, dass du altersgerechte Lebensmittel in kleinen Stücken anbietest.
Wie ist die deutsche Übersetzung von Baby-led Weaning?
Baby-led Weaning bedeutet zu Deutsch wörtlich übersetzt "vom Baby geleitete Entwöhnung". Gemeint ist damit eine Beikosteinführung, bei der das Baby selbstbestimmt erste feste Nahrung erkundet und isst, statt mit dem Löffel gefüttert zu werden.
Quellen:
1 https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5934812/
2+5 https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9634407/
3+6 https://www.nhs.uk/conditions/baby/weaning-and-feeding/foods-to-avoid-g…
4+7 https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5934812/
8 https://www.theteethingegg.com/blogs/news/baby-led-weaning
9 https://www.who.int/europe/activities/promoting-breastfeeding-and-compl…